Verwirrung überall - Pheromone
Essingen, 16. April 2009 - Nein, keine Völkerwanderung! Winzer und viele Helfer brechen auf, um einem Schädling zu Leibe zu rücken, der es auf Trauben abgesehen hat: der Einbindige und der Bekreuzte Traubenwickler. Das macht man heute nicht mehr mit Insektiziden - also mit Gift - sondern mit Pheromonen, sogenannten Sexualduftstoffen.
Früher wurden die Insekten in Pheromonfallen gefangen, heute genügen Dispenser, die den Wirkstoff an die Luft abgeben und so die Männchen verwirren, damit sie keine oder nur wenig Partnerinnen zur Paarung finden.
Die einen fragen sich, ja wo sind sie denn? Und die anderen, ja wo bleiben sie denn? Und schon ist der Zweck, die Population zu reduzieren, erfüllt.
Auch Jungwinzer müssen beim Verteilen der Dispenser mithelfen, auch wenn ihnen vielleicht noch das grundlegende Verständnis dafür fehlt. Lieber halten sie sich an bereits bekanntes und sind deshalb für die Getränke zuständig.
Aufsitzen und Abfahrt zu den Anbauflächen. Die Pheromonmethode wirkt natürlich nur, wenn eine Fläche gleichmäßig mit Pheromonen ausgehängt wird
Leider mussten wir auf Nachfrage erfahren, dass einige Winzer sich dieser Aktion verweigern. Einer gestattete immerhin das Betetreten seines Wingerts, damit seine Kollegen für ihn das sonst entstehende Pheromonloch dezimieren konnten, ein anderer verweigerte sogar dieses. Das ist nicht die Form von Solidarität, auf die alle angewiesen sind.
Der genaue Ausbringungstermin der Dispenser muss auf den ersten Flug der männlichen Falter abgestimmt werden. Er wird in der Regel vom Amtlichen Dienst mit Hilfe der Temperatursummenmethode ermittelt.

Die Temperatursummenmethode ist die Addition der Tageshöchstwerte in 2 Metern Höhe. Ab 850 °C werden Pheromonfallen ausgehängt, ab 950 °C zusätzlich sogenannte RAK Ampullen und ab 1050 °C beginnt der Flug des Traubenwicklers.
Wie man sieht ist die Arbeit nicht schwer, sie besteht hier hauptsächlich aus "Spazierengehen", verlangt jedoch gute Konzentration, damit die Ampullen in richtigem Rhythmus, d.h. in richtigem Abstand ausgehängt werden.
Bei der Feuerwehr gabs dann das reichhaltige Mittagessen, dem über 130 hungrige AusteilerInnen zusprachen.
Hier ist ein Dispenser zu sehen bestehend aus einer Doppelampulle.
Wenn ein Weinberg mit Ampullen fertig ausgestattet ist, dann muss die Strecke eben auch wieder zurück gelaufen werden.
Viele HelferInnen haben sich freiwillig zur Verfügung gestellt, ...
... um dazu beizutragen, dieses doch sehr ernste Problem unserer Winzer in den Griff zu bekommen.
Und Spaß hat´s wohl auch gemacht!
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