ZUPFORCHESTER ESSINGEN bei John Cages "MUSICIRCUS"
anlässlich der Neueröffnung des Heidelberger Theaters

Anlässlich der Wiedereröffnung des Heidelberger Theaters nach 3-jähriger Umbau- und Renovierungsphase und zu Ehren des Komponisten John Cage, der im Jahr 2012 seinen 100. Geburtstag feiern würde, wurde am 24. November in Heidelberg sein großes öffentliches Musikspektakel "MUSICIRCUS" realisiert.

Mehr als 600 Mitwirkende aus über 40 verschiedenen Orchestern, Ensembles, Theatergruppen, Chören und sonstigen Klang- und Aktionskünstlern musizierten und agierten miteinander, durcheinander, nacheinander und im Wechsel zunächst in der Altstadt von Heidelberg, auf dem Theatervorplatz und schließlich bei der Abschlussveranstaltung auf der Bühne im Alten Saal des neuen (alten) Theaters.

Unter den Akteuren war auch das Zupforchester Essingen unter Leitung von Denise Wambsganß, das auf Einladung der künstlerischen Leiterin des Heidelberger Klangprojekts, Sigune von Osten (www.artpoint-th.com), mit einem eigenen Programmteil mitwirkte. Es war dies bereits das zweite Mal, dass die frühere Cage-Mitarbeiterin, Sängerin und Klangkünstlerin Sigune von Osten die Essinger Zupfmusiker um Mitwirkung bei einem MUSICIRCUS-Projekt gebeten hatte. 2005 hatte das Essinger Orchester schon einmal an einem von Sigune von Osten inszenierten „MUSICIRCUS“ teilgenommen, seinerzeit anlässlich der Eröffnung der ersten Theater-Festspiele am Pfalztheater Ludwigshafen.

John Cage gilt als einer der weltweit einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Sein Klangprojekt „MUSICIRCUS“ basiert auf seiner Definition von Musik: „Alles, was mich umgibt, ist Klang“ mit einer einzigen Regieanweisung: „Es werden Leute geladen, die willens sind, zur gleichen Zeit am selben Ort zu spielen“.

Nach einer von Sigune von Osten erstellten Klangpartitur und nach genau festgelegtem Zeitplan wurde Musik verschiedenster Epochen und Stilrichtungen, gemischt mit aller Art von Klängen und Alltagsgeräuschen, von einer Vielzahl unterschiedlichster Gruppierungen und Akteuren dargeboten. Sowohl Profis als auch Amateure agierten gleichzeitig, jeweils nach ihren eigenen Vorstellungen und mit selbst gewähltem Repertoire, unterstützt von Koordinatoren, die - mit Headphones und Stoppuhren ausgestattet - während des Geschehens über Funk mit der künstlerischen Leitung in Verbindung standen.

Zu den Mitwirkenden zählten, angefangen bei „A“ wie Alphornbläser und Akkordeon­orchester u.a. auch Butoh- und Stepptänzer, Clowns, Jazz-, Rock- und Popformationen, Guggemusik, Martinshörner der Polizei- und Feuerwehrautos, Kinder-, Jugend-, Frauen- und Männer­chöre, Pipes & Drums mit Dudelsäcken, Flöten- und Schlagwerkensembles, Posaunenchor, Fanfarenzug, präpariertes Klavier und Toypiano, Pipa und Guzheng bis hin zu “Z“ wie Zupforchester.

Durch den scheinbar zufälligen Zusammenklang aller Aktionen wird eine vielschichtige Klangwelt voller Beziehungen und überraschender Wechselwirkungen vermittelt, die so nie vorher zu hören war und so nie wieder zu hören sein wird.

Für die Mitglieder des Zupforchesters Essingen bedeutete die Mitwirkung beim Heidelberger „MUSICIRCUS“ erneut die Chance, bei einem so einmaligen Happening „Teil eines großen Ganzen“ zu sein. Die große musikalische Herausforderung besteht dabei darin, sich „gegen“ und zusammen mit den weiteren im Saal agierenden Orchestergruppen und Solisten beim Vortrag der eigenen Programmpunkte nicht irritieren und nicht aus dem Takt bringen zu lassen. Durch die zeitlich genau festgelegte Abfolge der einzelnen Klangaktionen entstehen immer wieder – teilweise auch vom Zufall bestimmte – Sequenzen, in denen dann einzelne musikalische Beiträge überraschend klar und deutlich aus dem tönenden Chaos hörbar werden.

Ein einzigartiges, unvergessliches und nicht wiederholbares Erlebnis für alle Beteiligten!

Das großartige Klangspektakel wurde nach insgesamt ca. 2 ½ Stunden mit dem legendären Werk John Cages „4:33“ beendet, bei dem alle Mitwirkenden und die zahlreichen Zuschauer im Alten Saal des Heidelberger Theaters 4 Minuten und 33 Sekunden in Stille verharrten.



Zurück zur Startseite