Pressemitteilung

„Die Wendelinuskapelle Essingen erhält eine neue Glocke“


Die Wendelinuskapelle ist das älteste noch bestehende historische Gebäude in Essingen und wurde vermutlich vor 1280 n.Chr. erbaut. 1967 wurden im quadratischen Chor im Turm wertvolle Fresken aus dem 15. Jahrhundert wiederentdeckt. In den folgenden Jahren wurden Szenen wie die Anbetung Jesu durch die drei Könige, die vier Evangelisten und Engelsgestalten freigelegt. Für die Renovierung wurde der Heimatverein St. Wendelinus e.V. Essingen gegründet, um die gotische Kapelle zu restaurieren und als Gotteshaus wieder zu verwenden. Der Wendelinusverein lädt dort seit vielen Jahren am ersten Sonntag im Juli zum viel beachteten Benefizkonzert des Händel-Orchesters Mannheim ein.

Im vergangenen Jahr ist die Wendelinuskapelle in die Schlagzeilen geraten, da bekannt wurde, dass die Glocke im Turm aus dem Jahr 1936 stammt, ein Hakenkreuz aufweist und die Glockeninschrift den sog. Führer verherrlicht:

„Als Adolf Hitler Schwert und Freiheit gab dem deutschen Volk,
goß uns der Meister Pfeifer, Kaiserslautern“.
Denn 1935 hat Hitler die sog. „Wiedererlangung der Wehrhoheit“ ausgerufen
und die Wehrpflicht wieder eingeführt.
Über diese bereits in der Öffentlichkeit bekannte Inschrift hinaus
weist die Glocke noch folgenden antidemokratischen Schriftzug auf:
„Den im Kampf um die nationale Erhebung
gefallenen Deutschen zum Gedächtnis.“

Damit wird Bezug genommen auf den sog. Hitlerputsch
(Marsch auf die Feldherrenhalle) 1923,
bei dem 16 Putschisten ums Leben gekommen sind,
die in der NS-Zeit als „Blutzeugen der Bewegung“
mit zwei, 1935 in München errichteten Ehrentempeln verehrt wurden.

Die beiden Kirchengemeinden und der Wendelinusverein haben sich für das Abhängen dieser Glocke ausgesprochen, die im Eigentum der Ortsgemeinde Essingen steht. Der Gemeinderat Essingen hat das Abhängen am 20.12.2017 beschlossen und wird die Glocke als Dauerleihgabe dem Historischen Museum der Pfalz in Speyer übergeben. Die Vertreter der protestantischen und katholischen Kirchengemeinden in Essingen, die politische Gemeinde und der Heimatverein St. Wendelinus e.V. möchten wieder ein neues Geläut auf dem Turm der Wendelinuskapelle. Das Presbyterium der Prot. Kirchengemeinde Essingen-Dammheim-Bornheim hat daher das Angebot des Landeskirchenrats, den Austausch der Glocke zu finanzieren, angenommen.

Ehemals hingen im Turm zwei Glocken. Die im II. Weltkrieg eingeschmolzene größere Glocke trug die Inschrift: „Einer ist euer Meister, Christus; ihr aber alle seid Brüder.“ (Mt 23,8) Diese Inschrift soll nach dem Willen der Beteiligten auf dem neuen Geläut stehen und mit jedem Glockenschlag über unsere Heimat und unser Land hinausgetragen werden als Bekenntnis zu den christlichen Grundwerten der Freiheit und Würde jedes einzelnen Menschen.

Gutachter haben jedoch Schäden am historischen Glockenstuhl festgestellt, die zuerst behoben werden müssen, bevor darin wieder Glocken aufgehängt werden können. Der Heimatverein St. Wendelinus sammelt Spenden zur Finanzierung der geschätzten Kosten von 17.000 Euro. Mit Benefizveranstaltungen unterstützen alle Beteiligten diese Baumaßnahme. Ein geschichtlicher Vortrag am 21. Mai 2019 um 19 Uhr in der Wendelinuskapelle wird die Glocke historisch einordnen.

Am Pfingstmontag 2019 soll mit einem ökumenischen Gottesdienst der Opfer des Nationalsozialismus gedacht und die neue Glocke ihrer Bestimmung übergeben werden, um so auch das Bekenntnis zu einer freiheitlichen und auf christlichen Werten basierenden Grundordnung unserer Gesellschaft zu bekräftigen.



Spenden für die Renovierung des Glockenstuhls nimmt der
Heimatverein St. Wendelinus e.V. Essingen entgegen:
Sparkasse Südliche Weinstraße, IBAN: DE39 5485 0010 0000 0707 55
VR Bank Südpfalz, IBAN: DE02 5486 2500 0006 0065 23
Auf Wunsch werden Spendenbescheinigungen ausgestellt.





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