Fast ein Jahrhundert

Die älteste Bürgerin Essingens, Magdalena Sabo, wurde am Samstag, den 9. August 2008 95 Jahre alt. Sie erhielt zahlreiche Glückwünsche und Besuche von Familie, Freunden und der Gemeinde, vertreten durch Verbandsbürgermeister Axel Wassyl und Ortsbürgermeister Hartmut Doppler. Diese beiden besuchen Frau Sabo bereits seit vielen Jahren und wie Hartmut Doppler mutmaßte, wird es auch „mindestens zehn Jahre“ noch so weitergehen.

Sie wurde in Velimirovaç im ehemaligen Jugoslawien geboren. Es war eine Zeit, in der sich die deutschen Aussiedlerkolonien in diesem Gebiet zu festigen begannen. Die Vorfahren waren zu Zeiten Maria Theresias als „Donauschwaben“ nach Siebenbürgen ausgewandert, um das dortige Land urbar zu machen. Über Ungarn besiedelten Sie dann auf Bewerben der damaligen Grafen Pejachevich das Gebiet um Nasice bei Osijek, nicht weit vom ungarischen Pécs entfernt.

Noch ihre Großeltern mit ihrer Mutter - diese zogen als eine der ersten Familien in das Gebiet, mussten sich noch gegen Wölfe verteidigen, die des Nachts mitten in das Dorf kamen, um nach Essbarem zu suchen. Deswegen brannten immer einige Feuer und Männer hielten Wache.

Die deutsche Gemeinde in Velimirovaç war fleißig und brachte es nach kurzer Zeit zu beachtlichem Wohlstand. Mit ihren Nachbarn, Kroaten und Serben, lebten sie in Frieden und gegenseitiger Hilfe und Anerkennung.

Das änderte sich mit Beginn des Krieges 1939 als der Nationalsozialismus auch vor dem kleinen Dorf nicht Halt machte. Spannungen zwischen den vorher friedlich zusammenlebenden Menschen nahmen zu und gipfelten schließlich in der Flucht der deutschen Familien, wobei viele ihre gesamte Habe verloren und so manche auch das Leben.

Auf abenteuerlichen Wegen und nach vielen zum Teil erschütternden Erlebnissen kam die Familie unversehrt nach Deutschland, nach Bayern an den schönen Staffelsee und konnte so langsam die schrecklichen Kriegserlebnisse in Vergessenheit geraten lassen.

22 Jahre danach zog Magdalena Sabo mit einem Teil der Familie nach Landau in der Pfalz und nach dem Tod ihres Mannes Georg 1982 nach Essingen, wo sie dann wenige Jahre später ein Haus in der Schloßstrasse kaufte.

Sie fühlt sich wohl und gedenkt noch viele Jahre hier in Essingen zu verbringen, „bis der Herrgott meint, es wäre Zeit für mich.“

Magdalena Sabo bedankt sich auch auf diesem Wege für alle guten Wünsche und freut sich schon auf ihren nächsten Geburtstag.


Magdalena Sabo verstarb am 29. Oktober 2009.

Magdalena Sabo im Alter von 16 Jahren im Kreise der evangelischen Gemeinde von Velimirovaç (Mitte)
Frau Sabo zum 90. Geburtstag
Gratulation zum 95. Geburtags durch die beiden Bürgermeister Hartmut Doppler (li.) und Axel Wassyl
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